die kleine Seele - Teil 2


Da war sie nun, unsere kleine Seele, geboren auf Mutter Erde, oder, anders gesagt, auf dieser unserer Welt. Hier tat sie ihren ersten Atemzug genauso, wie sie irgendwann begann, im Zimmer herum zu krabbeln.

Und sie stand einmal mehr auf, als sie umfiel, dadurch lernte sie stehen. Etwas später versuchte sie einmal öfter, zu gehen, als dass sie hin fiel, dadurch lernte sie gehen.

Sie lernte es dadurch, da sie es permanent vorgelebt bekam.

Aber sie lernte vielleicht auch, dass Männer tun und lassen können, was sie wollen. Und dass Frauen brav zu sein haben, sich für ihre Familie auf opfern und Zeit ihres Lebens zu leiden.

Sie lernte es dadurch, da sie es permanent vorgelebt bekam.

Könnte auch sein, dass unsere kleine Seele lernte, dass die Frauen die Bösen seien und sie immer Mit-Leid mit den armen unterdrückten Männern haben müsse.

Sie lernte es dadurch, da sie es permanent vorgelebt bekam.

Oder sie beobachtete und lernte dadurch, dass sie sowieso nichts Wert sei. Vielleicht auch, dass sie eigentlich unerwünscht sei in dieser Familie. Oder vielleicht genau das Gegenteil, vielleicht fühlte sie sich auch zu sehr behütet.

Sie lernte es dadurch, da sie es permanent vorgelebt bekam.

Unsere kleine Seele lernte vielleicht auch, dass es nur durch Fleiß einen entsprechenden Preis geben darf, dass sie sich mehr und mehr an zu strengen hatte, um anerkannt zu werden.

Sie lernte es dadurch, da sie es permanent vorgelebt bekam.

Möglicherweise resultierte daraus, dass sie lernte, sich durchsetzen zu müssen. Dass sie lernte, immer geben und geben zu müssen, um geliebt zu werden.

Sie lernte es dadurch, da sie es permanent vorgelebt bekam.

Eventuell aber auch, dass sie nur den Mund auf zu machen bräuchte, damit ihr gebratene Tauben reinfliegen könnten.

Sie lernte es dadurch, da sie es permanent vorgelebt bekam.

Was auch immer sie lernte, sie spürte eine gewisse Leere, irgend etwas fehlte. Also schaute sie sich um und bekam ein Gefühl dafür, dass es da etwas geben könnte, was sie zusätzlich tragen konnte, um sich von den anderen abheben zu können.

Sie fand eine Person, welche sich etwas zuschulde kommen lassen hatte. Und deren Schuld wollte unsere kleine Seele mit-tragen helfen. Also packte sie sich ihren Rucksack voll mit schweren Steinen und lud ihn sich auf den Rücken, bereit dafür, dieses Kreuz zu tragen.

Doch, je mehr sie sich auflud, desto unrunder fühlte sie sich. Je mehr sie von ihren Ahnen nachahmte und/oder übernahm, desto weniger fühlte sie sich in ihrer Mitte, desto drückender war ihre mentale Last, welche sie mit sich herum schleppte.

Doch unsere kleine Seele hielt standhaft durch, gemäß dem Motto „nur die Harten kommen durch, und von denen nur 10 %“ oder auch „ein Indianer kennt keinen Schmerz“.

Also gab sie immer mehr und mehr, darauf vergessend, auch zu schauen, etwas zurück zu bekommen.


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